Tipps zur Porträt-Fotografie: So gelingen ausdrucksstarke Bilder
Porträt-Fotografie gehört zu den beliebtesten Bereichen der Fotografie. Ob Familie, Freunde oder spontane Begegnungen, ein gutes Porträt kann Persönlichkeit, Emotionen und Stimmung einfangen wie kaum eine andere Aufnahme.
Neben Kamera-Technik spielen vor allem Licht, Perspektive und der Umgang mit der fotografierten Person eine entscheidende Rolle. Natürlich macht auch die Nachbearbeitung viel aus, dazu sind wir bereits in unserem Tutorial zur Porträtretusche „So zaubert man Haut und Haare schön“ eingegangen.
In diesem Artikel finden Sie praktische Tipps, mit denen Ihre Porträts bereits direkt beim Aufnehmen natürlicher, ausdrucksstärker und interessanter werden. Ein paar Zusatzinfos vorab im Video:
Der Blick entscheidet: Fokus auf die Augen
Die Augen sind das wichtigste Element eines Porträts und das allererste, worauf ein Betrachter schaut. Ein scharfer Blick sorgt sofort für mehr Tiefe und Ausdruck. Er kann direkt in die Kamera gehen für mehr Intensität oder je nach gewünschter Wirkung bewusst daran vorbei, was die Aufmerksamkeit in eine etwas mysteriöse Richtung lenkt, da sich der Betrachter dann fragt: Worauf blickt das Model?
Achten Sie besonders auch auf folgendes:
- Die Augen sollten scharf fokussiert sein
- Idealerweise reflektiert sich etwas Licht darin („Catchlight“ = Augenreflex)
Licht und Schatten bewusst nutzen
Licht ist einer der wichtigsten Faktoren in der Fotografie und ganz besonders bei Porträts. Besonders geeignet sind weiches Licht am Morgen oder Abend, sowie indirektes Licht am Fenster. Das sorgt für eine weiche Ausstrahlung. Im Freien können Schattenbereiche interessante Details ins Bild bringen.
Versuchen Sie auch zu Experimentieren und nutzen Sie zur Abwechslung spezielles, vielleicht sogar farbiges Kunstlicht. Sanftes Licht dagegen schmeichelt dem Gesicht und verhindert harte Schatten. Wenn Sie ein natürliches Porträt haben wollen, vermeiden Sie daher lieber:
- harte Mittagssonne
- starkes Gegenlicht ohne Ausgleich
- zu viel Dunkelheit
Perspektive bei der Porträt-Fotografie wählen
Die Kameraposition beeinflusst die Wirkung eines Bildes stark. Langweilig gerade von vorne haben wir bereits tausend Mal gesehen. Bewegen Sie sich daher bewusst und probieren Sie mehrere Blickwinkel aus. Extreme Perspektiven bringen frischen Wind in die Sache, übertreiben Sie nur nicht, das Gesicht soll schließlich erkennbar bleiben.
Machen Sie sich Gedanken über die Aussagekraft verschiedener Perspektiven:
- Augenhöhe: wirkt neutral und natürlich
- leicht von oben: wirkt oft schmeichelhaft
- leicht von unten: kann dominant oder ungewohnt wirken
Gedanken über den Hintergrund
Ein unruhiger Hintergrund lenkt vom Motiv ab, das ist klar. Aber je nach Struktur und Form des Gesichts kann er auch Spannung in ein Foto bringen. Wägen Sie ab, was Sie mit Ihrem Bild aussagen wollen und wählen Sie bewusst die Farben und Struktur des Hintergrunds aus. Eine leichte Unschärfe im Hintergrund (z. B. mit Porträtmodus oder offener Blende) hilft zusätzlich, um den Fokus auf die Peron zu lenken.
Achten Sie dabei auf:
- einfache, klare Flächen und sich weiderholende Muster
- ausreichend Abstand zwischen Person und Hintergrund
- keine störenden Elemente wie z. B. herauswachsende Objekte
Kommunikation ist wichtiger als Technik
Tolle Bilder in der Porträt-Fotografie entstehen nicht nur durch Einstellungen, sondern durch Vertrauen. Viele Menschen fühlen sich vor der Kamera unsicher. Sprechen Sie mit der Person und sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre, das wirkt sich sehr auf Ausdruck und Haltung aus und das sieht man im Bild.
Wenn sie mehr von einer gestellten Posen wegkommen wollen, fotografieren Sie auch zwischendurch, nicht nur in „perfekten Momenten“. Manchmal erwischen Sie dadurch genau den Augenblick für die spannendste Geschichte. Oft sind die besten Bilder die, in denen die Person gar nicht bewusst posiert.
Kleine Tricks:
- Geben Sie einfache Anweisungen, z. B. „Drehen Sie sich leicht zur Seite“.
- Vermeiden Sie schlechte Laune. Schon ein kleines Kompliment hebt die Stimmung.
- Nutzen Sie keine komplizierte Fachbegriffe und zeigen Sie zwischendurch Ergebnisse.
Mit Emotionen statt nur mit Aussehen arbeiten
Ein gutes Porträt zeigt mehr als nur das Gesicht. Fragen Sie sich daher, welche Stimmung Sie zeigen möchten. Fragen Sie, was ihr Model gerade beschäftigt. Was macht diese Person aus und würde gut zu ihr passen? Ein Lächeln, ein nachdenklicher Blick oder eine Bewegung können mehr erzählen als perfekte, roboterartige Bilder.
Versuchen Sie bewusst Geschichten zu erzählen:
- Bewegung einbauen und leichte Unschärfe zulassen
- spontane Situationen einfangen statt gestellte Posen
- Zeigen Sie Gefühle und Befindlichkeiten der Person
Ungewöhnliche Technik für mehr Lebendigkeit
Spiegel, Fenster oder Wasserflächen eröffnen neue Möglichkeiten. Spielen Sie mit Reflexionen und spannenden Kompositionen. Das sorgt für Abwechslung und ungewöhnliche Bildideen.
Hier ein paar Beispiele:
- Einsatz kreative Effekte Kameraeffekte, beleuchtete Luftpartikel oder Seifenblasen
- Halten Sie die Kamera schräg oder schießen Sie Fotos aus ungewöhnlichen Positionen
- Spielen Sie mit Entfernung und speziellen Lichtquellen
Kleidung und Farben bewusst einsetzen
Ein Besonderes Augenmerk sollten Sie auf die Farben richten, nicht nur vom Hintergrund, sondern auch beim Model selbst. Die Farben im Umfeld spielen eine große Rolle und wirken sich, selbst wenn sie nicht direkt auf dem Bild zu sehen sind in kleinsten Nuancen auf dem Foto aus. Achten Sie auf störende, grelle Elemente und was gut zu Augen, Haut und Haarfarbe Ihres Porträts passen würde. Den größte Einfluss hat hier die Kleidung des Models.
Weniger ist oft mehr:
- Legen Sie fest, ob Sie warme, kalte, harmonische (am Farbkreis nebeneinanderliegende Farben) oder Komplementärfarben nutzen wollen.
- Starke Kontraste können Aufmerksamkeit erzeugen. Während zu hohe Sättigung unnatürlich wirkt.
- Muster und zu viele bunte Farben könnten vom Gesicht ablenken.
Noch bessere Bilder bei der Porträt-Fotografie
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